Illustration Hirntumor

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Primäre Hirntumoren und Hirnmetastasen: Neue Behandlungsansätze durch Forschung

Das Hirntumorzentrum des Comprehensive Cancer Center Zürich (CCCZ) setzt sich zum Ziel durch innovative Forschung die Therapie von pimären Hirntumoren und Hirnmetastasen zu verbessern.

Metastasen – Wenn sich der Krebs im Körper ausbreitet

Metastasen entstehen, wenn sich Krebszellen vom ursprünglichen Tumor lösen und sich in anderen Organen oder Körperregionen ausbreiten. Dies geschieht über das Blut- oder Lymphsystem. Dort können sie neue Tumore bilden, die oft schwerer zu behandeln sind als der Primärtumor. Besonders häufig betroffen von Metastasen sind Lunge, Leber, Knochen und das Gehirn. Etwa 3 von 10 Patienten und Patientinnen, deren Krebs zu Metastasen führt, sind von Hirnmetastasen betroffen.

Die Behandlung von Hirnmetastasen stellt eine grosse Herausforderung dar, da Therapien wie die Chirurgie oder Chemotherapie oft nur begrenzt wirksam sind. In vielen Fällen bleibt daher die hochpräzise Bestrahlung als wichtigste Therapieoption. Sie ermöglicht die gezielte Zerstörung von Metastasen mit hohen Strahlendosen. Der beste Zeitpunkt für die Bestrahlung ist jedoch auch unter Fachleuten nicht klar; aussagekräftige Daten dazu fehlen, auch gibt es keine einheitlichen Richtlinien für die Hochpräzisionsbestrahlung.

STRIKE-Studie – Der beste Zeitpunkt für die Bestrahlung von Hirnmetastasen

Um diese Wissenslücken zu schliessen, erforscht ein interdisziplinäres Team im Rahmen der am CCCZ gemeinsam mit ETOP entwickelten STRIKE-Studie, wann der beste Zeitpunkt für eine Bestrahlung von Hirnmetasen ist. Untersucht wird, ob bei Patienten und Patientinnen mit einem Melanom oder Lungenkrebs eine frühzeitige Bestrahlung (in Kombination mit einer medikamentösen Therapie) langfristig zu einer besseren Kontrolle der Hirnmetastasen führt. Die Studie soll auch Erkenntnisse liefern, ob hirnschädigende Nebenwirkungen vom Bestrahlungszeitpunkt abhängen.

Was sind die Ziele der STRIKE-Studie?

Prof. Dr. med. Michael Weller: Hirnmetastasen führen zu schweren Symptomen und neurologischen Defiziten wie Kopfschmerzen, Lähmungen, Persönlichkeitsveränderungen oder epileptischen Anfällen. Wir möchten herausfinden, ob eine frühzeitige Bestrahlung die Hirnmetastasen und neurologischen Defizite effektiver unter Kontrolle bringt und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamt. Darüber hinaus soll uns die Studie helfen, fundierte Richtlinien für die behandelten Ärzte zum optimalen Bestrahlungszeitpunkt von Hirnmetastasen zu definieren. Ein wichtiger Bestandteil von STRIKE ist zudem eine Begleitstudie, die sich der Lebensqualität der Patienten widmet. Untersuchungen und Befragungen sollen unter anderen Aufschluss darüber geben, in welchem Ausmass durch die frühe Bestrahlung kognitive Beeinträchtigungen eintreten, und wie sich dies auf die Lebensqualität der Patienten auswirkt.

Zusammenspiel - Innovative Medizin und Forschung

Prof. Dr. med. Mattias Guckenberger: Am CCCZ Hirntumorzentrum werden innovative Medizin und Forschung vereint. Sowohl an der Diagnostik – Neuropathologie, Neuroradiologie, Nuklearmedizin – als auch an der Behandlung – Neurochirurgie, Radio-Onkologie, Neurologie, Medizinische Onkologie – von Hirntumorerkrankungen sind zahlreiche Fachdisziplinen des CCCZ beteiligt. Dies ermöglicht eine Behandlung aus einer Hand, die zum Ziel hat, die beste und fortschrittlichste Therapie anbieten zu können, die auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten und Patientinnen zugeschnitten ist.

Bild mit Zellen

Welche Ansätze verfolgt das CCCZ bei der Erforschung von Hirntumoren und -metastasen?

Prof. Dr. med. Michael Weller: Unser Zentrum beteiligt sich aktiv an grossen internationalen Studien vor allen Dingen der «European Organisation for Research and Treatment of Cancer (EORTC). Patienten erhalten so einen Zugang zu neuen, innovativen Therapien. Im Rahmen der AGILE Studie werden zum Beispiel mehrere in der Erprobung befindliche Behandlungen für neu diagnostizierte oder rezidivierte Hirntumoren (Glioblastome) geprüft, um festzustellen, ob eines dieser in der Erprobung befindlichen Prüfpräparate das Gesamtüberleben im Vergleich zu den Standardbehandlungen verbessert.

Gleich zwei Leuchtturmprojekte des CCCZ setzen sich zum Ziel neue Behandlungskonzepte für Patient:innen mit Hirntumoren und -metastasen zu entwickeln. Im Projekt PROMIS (Präzisionsonkologie zur Verbesserung der Überlebenschancen von Krebspatienten mit ZNS-Metastasen, Koordination PD Dr. Emilie Le Rhun, Medizinische Onkologie und Hämatologie) werden mit Hilfe von modernsten molekularen Analysen Schwachstellen von Hirnmetastasen aufgedeckt und die Wechselwirkung mit dem Gehirngewebe genauer untersucht. Die neu gewonnenen Erkenntnisse sollen für die Entwicklung gezielter therapeutischer Ansätze genutzt werden. Im Jahr 2024 wurde als wichtigstes klinisches Projekt eine Phase -1-Studie, IT-IO, mit der direkten Verabreichung der Immuntherapie in den das Nervensystem umgebenden Flüssigkeitsraum abgeschlossen. Das Projekt IMMUNO-CAR ZURICH (Koordination: Prof. Dr. Chiara Magnani, Medizinische Onkologie und Hämatologie) entwickelt innovative Technologieplattformen für die Herstellung von Chimeric Antigen Receptor (CAR)-Immunzellen. Dabei handelt es sich um Zellen des körpereigenen Immunsystems, die so modifiziert werden, dass sie Krebszellen gezielt erkennen und zerstören können. Diese sollen im Rahmen einer Phase-1-Studie bei Patienten mit therapieresistentem Glioblastom getestet werden (Koordination PD Dr. Tobias Weiss, Neurologie). In der Schweiz erkranken jährlich etwa 250 Personen an einem Glioblastom, einem der häufigsten und aggressivsten primären Hirntumoren.

Darüber hinaus verfolgen wir spezifische Projekte unseres Zentrums, vor allen Dingen die Entwicklung von Immunzytokinen in Kooperation mit der Firma Philogen. Immunzytokine sind komplexe Moleküle, die spezifisch den Tumor aufsuchen und dort lokal eine Immunreaktion auslösen sollen. In Kooperation mit der ETH entwickeln wir eine Methode (genannt Pharmakoskopie) für die direkte Testung verschiedener Medikamente in operativ gewonnenen Hirntumorgewebe. Grosses Potential besteht auch in einer schnelleren und präziseren Diagnostik. Kürzliche wurde in der Klinik für Neurologie am USZ, ebenfalls in Kooperation mit der ETH, eine innovative Methode entwickelt, um mithilfe von Blutproben und extrazellulären Vesikeln Gehirntumoren frühzeitig zu erkennen und besser zu überwachen.

Verantwortliche Fachpersonen

Michael Weller, Prof. Dr. med.

Klinikdirektor, Klinik für Neurologie

Tel. +41 44 255 55 00
Spezialgebiete: Neuro-Onkologie

Matthias Guckenberger, Prof. Dr. med.

Klinikdirektor, Klinik für Radio-Onkologie

Spezialgebiete: Therapie des Lungen Karzinom, Therapie des Prostata Karzinom, Therapie von Oligometastasen

Luca Regli, Prof. Dr. med.

Klinikdirektor, Klinik für Neurochirurgie

Tel. +41 44 255 29 92