Was sind Divertikel?
Divertikel sind ganz allgemein Ausstülpungen an der Wand eines Hohlorgans. Besonders oft bilden sie sich an der Darmschleimhaut im Dickdarm – so genannte Darmdivertikel. Ein bevorzugter Ort ist der Darmabschnitt oberhalb des Mastdarms – das Sigma. Dort bilden sich Divertikel oft in grosser Anzahl, weil das Sigma einen kurvigen Verlauf nimmt und dort ein besonders hoher Druck im Inneren herrscht. Entzünden sich die Divertikel im Mastdarm, wird auch von einer Sigmadivertikulitis gesprochen.
Formen der Divertikel-Erkrankungen
Divertikel können mit verschiedenen Zuständen verbunden sein, die nach ihrem Verlauf und der Symptomatik unterschieden werden:
- Divertikulose
- Bei der Divertikulose bilden sich an vielen Stellen des Darms Divertikel.
- Diese Ausstülpungen verursachen in der Regel keine Beschwerden, weshalb Betroffene oft nichts davon bemerken.
- Sie wird meist zufällig bei einer Darmspiegelung oder anderen Untersuchungen entdeckt.
- Divertikelkrankheit
- In diesem Stadium verursachen die Divertikel Beschwerden.
- Typische Symptome können Bauchschmerzen, Blähungen oder ein veränderter Stuhlgang sein.
- Divertikelentzündung (Divertikulitis)
- Bei der Divertikulitis entzünden sich einzelne oder mehrere Divertikel.
- Die Ursache oder auslösende Faktoren einer Divertikulitis sind unbekannt und lassen sich im Einzelfall nicht definieren
- Die Entzündung kann zu starken Bauchschmerzen, Fieber und in komplizierten Fällen zu schweren Verläufen mit wie Abszessen, Fisteln oder einem Darmdurchbruch (Perforation) führen.
- Divertikelblutung
- Da Divertikel häufig im Bereich eines Blutgefässes des Dickarms entstehen, können Divertikel bluten.
- Divertikelblutungen führen zu Blut im Stuhlgang
- Dies sollte unbedingt mittels Darmspiegelung (Koloskopie) abgeklärt werden.
Divertikel können anhaltende oder wiederkehrende Beschwerden verursachen, was als chronische Divertikelkrankheit bezeichnet wird.
Divertikel – Häufigkeit und Alter
Viele Menschen in den westlichen Industrieländern haben Divertikel des Dickarms, ohne dass sie es wissen. Je älter ein Mensch ist, desto häufiger treten Divertikel im Darm auf. So haben nur etwa 10 Prozent der Menschen unter 50 Jahren solche Ausstülpungen im Darm. Bei Menschen über 70 Jahren hingegen haben rund 50 Prozent Divertikel im Darm. Frauen und Männer sind etwa gleich oft betroffen.
Divertikelkrankheit: Ursachen und Risikofaktoren
Die Ursachen für die Divertikelkrankheit sind noch nicht genau geklärt. Bekannt sind aber einige Risikofaktoren, welche die Entstehung von Divertikeln begünstigen. Die Ausstülpungen bilden sich vor allem an Stellen, an denen die Darmmuskulatur schwächer ausgebildet ist und an denen ein hoher Druck herrscht. Dies gilt allen voran für das Sigma, einem besonderen Abschnitt des Dickdarms. Er verläuft kurvig in einer S-Form und befindet sich direkt vor dem Mastdarm. Hier übt der Stuhl einen sehr hohen Druck auf die Darmwand aus. Das Sigma gilt als „Hochdruckzone“ des Darms und so können dort Vorwölbungen entstehen.
Folgende Faktoren können Darmvertikel vermutlich begünstigen:
- Erblich bedingte Anfälligkeit für Divertikel im Darm
- Geschwächtes Bindegewebe
- Störungen der Darmbewegungen
- Starkes Übergewicht
- Ballaststoffarme Ernährung: Sie begünstigt Verstopfung und harten Stuhlgang
- Hoher Konsum von rotem Fleisch (Schwein, Rind, Lamm, Wild, Ziege)
- Rauchen
- Bewegungsmangel
- Sitzende Tätigkeiten mit erhöhtem Druck im Bauch
Der Einfluss des Lebensstils auf das Risiko für Divertikel ist aber noch nicht eindeutig wissenschaftlich bewiesen. Vermutlich steht die Lebensweise aber mit den Darmausstülpungen in Verbindung.
Divertikulitis: Ursachen der Entzündung
Warum sich Divertikel entzünden und eine Divertikulitis auslösen ist nicht immer klar. Folgende Ursachen werden vermutet:
- Eine verminderte Durchblutung begünstigt Entzündungen, insbesondere wenn der Eingang des Divertikels selbst mit Stuhl verschlossen wird.
- Geschwächtes Immunsystem, etwa durch eine Krebserkrankung oder nach einer Organtransplantation.
- Einnahme bestimmter Medikamente über längere Zeit: Beispiele sind bestimmte Schmerzmittel (nichtsteroidale Antirheumatika, NSAR), entzündungshemmende Medikamente (Kortikoide, „Kortison“), Acetylsalicylsäure (ASS) oder Opioide.
Divertikulose Symptome
Die Mehrzahl der Menschen mit Divertikeln im Darm bemerken die Ausstülpungen nicht, weil sie keine Symptome hervorrufen. Doch bei einer Divertikelkrankheit treten Beschwerden auf, zum Beispiel:
- Bauchschmerzen im linken Unterbauch
- Blähungen
- Völlegefühl
- Verstopfung und Durchfall
- Manchmal können Divertikel auch bluten.
Oft sind die Beschwerden nur vorübergehender Natur und klingen dann wieder ab. Manchmal bleiben sie jedoch länger bestehen. Nach dem Essen sind die Symptome oft intensiver ausgeprägt, nach dem Stuhlgang bessern sie sich wieder.
Wenn die Ärztin oder der Arzt bei Ihnen eine Divertikulose festgestellt hat, ist es ratsam, sich ballaststoffreich zu ernähren und ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. So lassen sich Beschwerden und Komplikationen zum Teil vermeiden.
Divertikulitis Symptome
Wenn sich die Divertikel im Darm entzünden, können sehr schwere Symptome auftreten. Dazu gehören beispielsweise:
- Schmerzen im Unterbauch
- Fieber, Schüttelfrost
Divertikelkrankheit und Divertikulitis: Diagnose bei uns
Zur Abklärung werden Sie körperlich untersucht und die Entzündungsparameter in einer Blutuntersuchung bestimmt. Je nach Ausprägung und Nebendiagnosen ist dann eine weiterführende Diagnostik mittels Computertomographie (CT) indiziert. Hier kann zwischen unkomplizierten und komplizierten (mit Abszess, Perforation) Divertikulitisschüben unterschieden werden.
Divertikelkrankheit: Vorbeugen, Früherkennung, Prognose
Divertikeln im Darm können Sie nicht mit 100-prozentiger Sicherheit vorbeugen. Dennoch kann eine Ernährung mit vielen Ballaststoffen und regelmässige Bewegung das Risiko für die Divertikelkrankheit senken. Auch eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme (1.5 bis 2 Liter pro Tag), Bewegung und Sport, ein Rauchstopp sowie ein normales Körpergewicht sind gut für die Verdauung und den Darm.
Die Früherkennung der Divertikel spielt hier im Vergleich zu anderen Krankheiten eine geringere Rolle. Denn die meisten verspüren keine Beschwerden, wenn sich Divertikel im Darm gebildet haben. Sie können mit den Darmausstülpungen ohne gesundheitliche Probleme leben. Sind jedoch Divertikel bekannt, gilt es, einen möglichen Übergang von der Divertikelkrankheit in die Divertikulitis möglichst frühzeitig zu erkennen.
Verlauf und Prognose der Divertikelkrankheit
Der Verlauf und die Prognose sind bei der Divertikelkrankheit insgesamt günstig – das gilt besonders, wenn Sie einen gesunden Lebensstil pflegen. Viele Betroffene können so einen ganz normalen Alltag leben. Auch die Entwicklung einer Divertikulitis lässt sich dadurch oft verhindern.
Selten (etwa bei einem Prozent der Betroffenen) entwickelt sich aus der Divertikelkrankheit eine Divertikulitis. Dann entzünden sich die Ausstülpungen im Darm und Bakterien können sich dort ansiedeln. Zudem können Eiterherde (Abszesse) in der Darmwand entstehen. Ohne Behandlung kann sich die Entzündung auf benachbartes Gewebe und andere Organe ausbreiten, etwa den Dünndarm oder die Harnblase.
Am meisten gefürchtet ist der Durchbruch der Divertikel. Dann ergiesst sich deren Inhalt samt Bakterien und Eiter in die Bauchhöhle, was lebensgefährlich ist! Wir müssen die Bauchfellentzündung sofort behandeln.
Kehrt die Divertikulitis häufiger wieder, kann die Darmwand vernarben. Dadurch entstehen Engstellen im Darm und im schlimmsten Fall kommt es zum Darmverschluss. Manchmal werden durch die Entzündungsreaktionen auch Blutgefässe in Mitleidenschaft gezogen – Darmblutungen sind die Folge. Oft stoppt die Blutung von selbst wieder, aber manchmal müssen wir auch therapeutisch eingreifen.
Divertikelkrankheit: Behandlung je nach Beschwerden
Sofern die Divertikel im Darm keine unangenehmen Symptome hervorrufen, ist eine Therapie nicht notwendig. Die Behandlung der Divertikelkrankheit hängt immer davon ab, ob und welche Beschwerden sie verursacht.
Behandlungsmethoden am USZ
Die Behandlung der Divertikelkrankheit hat sich in den letzten Jahren markant verändert. Am USZ richten wir uns nach den modernsten Empfehlungen der Fachgesellschaften und können damit oftmals auch unnötige Operationen vermeiden.
Unkomplizierte Divertikulitis
Sie kann je nach Alter, Nebendiagnosen und Allgemeinzustand eine einfache ambulante Schmerztherapie ohne Antibiotika oder Antibiotikatherapie in Tablettenform umfassen.
Komplizierte Divertikulitis
Bei schweren Entzündungen ist eine stationäre Behandlung im Spital mit Antibiotikatherapie über die Venen oder teilweise sogar eine Notfalloperation in lebensbedrohlichen Situationen wo eine freie Perforation des Darms mit Austritt von Eiter und Stuhlgang in die Bauchhöhle besteht nötig.
Wiederkehrende Divertikulitis
Bei wiederkehrender Divertikulitis welche auf Grund der wiederholten Antibiotikatherapie, Hospitalisation oder der Ungewissheit bezüglich Zeitpunkt der nächsten Entzündung zu einer Einschränkung der Lebensqualität führt, kann eine geplante, elektive Sigmaresektion evaluiert werden. Hier wird meist minimal-invasiv der von der Divertikulitis betroffene Dickdarmabschnitt entfernt und die beiden Enden mittels Darmnaht (Anastomose) wieder zusammengenäht.
Wichtig ist, dass ca. 6-8 Wochen nach abklingen des ersten Divertikulitisschubs eine Darmspiegelung (Koloskopie) durchgeführt wird. In seltenen Fällen kann sich hinter einem scheinbaren Divertikulitisschub nämlich ein Darmkrebs (Kolonkarzinom) verstecken. Ein Darmkrebs kann nur in der Darmspiegelung im entzündungsfreien Intervall sicher ausgeschlossen werden.
FAQ zum Thema Divertikelkrankheit und Divertikulitis
Eine Divertikulitis entsteht, wenn sich Divertikel entzünden. Die Ursache ist unklar. Bekannte Risikofaktoren sind jedoch eine ballaststoffarme Ernährung, Verstopfung und ein insgesamt ungesunder Lebensstil.
Ein geplatztes Divertikel (Perforation) äussert sich durch starke Bauchschmerzen, oft in Verbindung mit Fieber, Schüttelfrost und einem harten, gespannten Bauch. Dies ist ein lebensbedrohlicher Zustand, der sofortige ärztliche Behandlung erfordert.
Divertikel an sich sind meist harmlos und verursachen keine Beschwerden. Gefährlich werden sie, wenn es zu einer Entzündung (Divertikulitis) oder Komplikationen wie Blutungen, Abszessen oder einem Durchbruch der Darmwand kommt. Diese Zustände erfordern eine rasche medizinische Behandlung.
Eine Divertikulose ist nicht heilbar, da einmal gebildete Divertikel in der Darmwand verbleiben. Mit einer ballaststoffreichen Ernährung, ausreichender Bewegung und einem gesunden Lebensstil lassen sich jedoch Beschwerden vermeiden und Entzündungen manchmal vorbeugen.
Während einer akuten Divertikulitis sollten schwer verdauliche Lebensmittel wie Rohkost, Nüsse, Samen und ballaststoffreiche Speisen gemieden werden. Empfehlenswert sind stattdessen leichte, gut verdauliche Lebensmittel. Nach der Heilung sollte der Speiseplan schrittweise wieder ballaststoffreicher gestaltet werden.
Leichte Formen der Divertikulitis können manchmal ohne Antibiotika behandelt werden. Bei schwereren Verläufen oder Komplikationen sind Antibiotika jedoch meist notwendig. Die genaue Therapie wird individuell vom Arzt/Ärztin festgelegt.
Beschwerdefreie Divertikel benötigen keine Behandlung. Bei einer Divertikulitis können Medikamente, Schonkost und gegebenenfalls Antibiotika erforderlich sein. Schwere Fälle oder Komplikationen wie ein Darmdurchbruch erfordern unter Umständen eine Operation.
Details zur Divertikulitis Behandlung